Andacht

Der Mensch bedarf zu seinem Leben vor allem Wasser, Feuer, Eisen, Salz, Mehl, Honig, Wein, Öl und Kleider.

Sirach 39,31

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Weise Jesus Sirach zählt das Salz zu den absoluten Notwendigkeiten menschlichen Lebens. Schon in alttestamentlicher Zeit war den Menschen lange bekannt, dass Salz nicht nur ein einfaches Gewürz, sondern lebenswichtig und darüber hinaus ein Konservierungs- und Heilmittel ist. Ohne Salz schmecken Speisen fad, das weiß auch Hiob (Hi 6,6). Salz war teuer bzw. wurde teuer gemacht.

Salz ist wichtig und wertvoll. Bereits in kleinen Mengen ist es wirksam. Im weit verbreiteten Brauch, Brot und Salz willkommenen Gästen, neuen Nachbarn oder Brautleuten zu schenken, ist es ein Symbol für Gastfreundschaft und Beständigkeit. Zu viel Salz schadet dem Leben. Das Wasser des Toten Meeres leuchtet verheißungsvoll blau in der Wüste, ist mit seinem durchschnittlichen Salzgehalt von 28% aber absolut ungenießbar. Der Prophet Hesekiel verheißt eine Gesundung des Toten Meeres für die künftige Heilszeit (Hes 47,8-12). Salz kann in der Bibel Zeichen von Heil oder Unheil sein – wie so oft im Leben kommt es auf die Dosis an.

In zwei Worten gebraucht Jesus das Salz als Bild: „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13). Und: „Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander“ (Mk 9,50). Hinter dem Bild vom Salz-Sein steht die Vorstellung, dass auch eine christliche Gemeinde, die in der Welt eine kleine Minderheit ist, wie das Salz die Suppe das Leben in der Welt besser macht. Das Bild vom Salz-Haben erinnert daran, dass der Glaube in uns oft unscheinbar aussieht, aber doch den entscheidenden Unterschied ausmacht.

Als Christ kann und werde ich darum in vielen Lebenssituationen nicht anders entscheiden und handeln, als meine nichtchristlichen Nachbarn. Aber der Glaube ändert den Blick auf die Welt. Er hilft, Wichtiges von Unwichtigem, Letztes von Vorletztem zu unterscheiden. Angesichts einer Welt, in der das Prinzip des Immer-Mehr gilt und das Recht des Stärkeren sich durchzusetzen sucht, erinnert der Glaube an die andere Welt, das Gottesreich, das Jesus verkündigt hat. Er verweist darauf, dass der Weg des schnellen, persönlichen Vorteils selten der Weg zu mehr Frieden und Gerechtigkeit, schon gar nicht der Weg zu Frieden und Gerechtigkeit für alle ist.

Aus dem Glauben, der den Unterschied macht, folgen Taten, die die Welt verändern: Gottes Wort weitersagen, obwohl es aufrüttelt und unbequem ist. Sich dem Mitmenschen zuwenden, obwohl es Anstrengung kostet. Gastfreundschaft üben, auch wenn es bedeutet, einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. Die Hand zum Frieden reichen, obwohl sie vielleicht ausgeschlagen wird. Dazu braucht es den Glauben, dass Frieden möglich ist. Er macht mir die Welt genießbar wie das Salz die Suppe.

Einen behüteten Sommer wünscht Ihnen und grüßt Sie herzlich

Salzstreuer, Bildquelle: pixabay.com
Salzstreuer, Bildquelle: pixabay.com

Ihr Dr. Sven Petry
(Superintendent)