Andacht

Gott ist nicht ferne von uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Apostelgeschichte 17.27+28

Gehalten im Leben

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wenn es im Übergang vom Sommer zum Herbst noch einmal beständig mild ist und ein lauer Wind weht, dann ist der Altweibersommer da. Viele kleine Spinnen lassen sich an zarten Fäden durch die Luft pusten; größere Spinnen bauen ihre kunstvollen Netze. Kühlt es nachts schon stark ab, sind die vom Tau benetzten Spinnweben in der Morgensonne tausendfach zu erkennen: glanzvolle Perlenketten in Wiesen, an Sträuchern und Bäumen. Die glitzernden Fäden erinnern an die silbergrauen Haare älterer Frauen. Aber der Ausdruck „Altweibersommer“ stammt nicht von den alten Frauen, sondern vom althochdeutschen Wort „weiben“ – und das steht für das Knüpfen von Spinnweben.

Für eine kleine Spinne, die in ihrem Netz herrlich und in Freuden lebte, war alles gut, bis sie hörte: die Welt ist anders geworden, du musst dich anpassen, du musst Altes aufgeben, du musst dich neu orientieren, du musst rationalisieren. Die Spinne war bis dahin nie aufgeregt, aber der Vorwurf der Rückständigkeit machte sie nervös. Umgehend inspizierte sie deshalb ihren Betrieb. Aber kein Faden war überflüssig, jeder war fürs Geschäft notwendig. Schon fast verzweifelt fand sie schließlich einen Faden, der senkrecht nach oben lief. Dieser hatte noch nie eine Fliege eingebracht. Schnell biss die Spinne den Faden ab. Was dann passiere, ist klar: das Netz fiel in sich zusammen. Der Faden nach oben war der, an dem alle hing.

Paulus meint deshalb: Denn in ihm – Gott – leben, weben und sind wir. Wir haben unsere Lebensnetze geknüpft. Oft glänzen sie; wir erkennen ihre Schönheit; wir schätzen ihre Stabilität und Verlässlichkeit in den Beziehungen zu anderen Menschen. Viele Fäden laufen zu einem tragfähigen Netz zusammen. Nicht jeder Faden läuft kerzengerade oder gar parallel zu einem anderen; es gibt auch Abrisse und Verwirrungen; manchmal ist ein Muster nur schwer zu erkennen. Doch die Verknüpfungen und Knoten sind wichtig – und dieser eine Faden nach oben. Das Netzwerk unseres Lebens bekommt Halt durch den Faden zu Gott.

Wer sein Leben bei Gott festmacht, der und die kann ein Fest machen – mitten im Altweibersommer, z. Bsp. Erntedank feiern.

Spinnennetz Altweibersommer
Spinnennetz mit Tau besetzt

Ihr Rafael Schindler