Andacht

Von allen Seiten umgibst du mich, Gott, und hältst deine deine Hand über mir

Psalm 139.5

Ein (W)Ort der Geborgenheit

Liebe Leserin, lieber Leser!

Rund 50.000 – so ungefähr und ungenau – der Minilauben mit Seeblick stehen an Deutschlands Gewässern. Aber auch immer häufiger macht sich die Spezies auf Terrassen breit, auf Balkonen und mitten im Garten.

Diesen Siegeszug geschützter Bequemlichkeit konnte keiner voraussagen, auch nicht der Erfinder des Strandmöbels, ein gewisser Wilhelm Bartelmann, der 1870 als erster Korbmacher in Rostock ansässig wurde. Er erhielt im Frühjahr 1882 – so zumindest die schöne Legende zur Erfindung des Strandkorbs – den etwas ausgefallenen Auftrag von Elfriede von Maltzahn, ein „Behältnis gegen allzu viel Sonne und Wind“ zu bauen. Denn die an Rheuma leidende Dame wollte sich dennoch den Aufenthalt am Strand nicht versagen; gilt doch die frische Seeluft mir ihrem Reizklima weitgehend als gesundheitsfördernd. Am 15. Juni 1882 war es dann soweit: der erste Strandkorb – noch anfangs als „aufrecht gestellter Wäschekorb mit einem quer eingelegten Brett“ belächelt – wurde in den Sand gesetzt – aber auf keinem Fall im übertragenen Sinn. Denn es begann die rasche Ausbreitung des eigentümlichen Sitzhäuschens. So zählt der Strandkorb heute längst zum deutschen Kulturgut und ist ein Ort der Geborgenheit.

Und der Vers aus Psalm 139 ist ein Wort der Geborgenheit. Weil er hoffen lässt, in dieser manchmal rauen Welt behütet und geschützt zu sein.

Ein Tag im Strandkorb hilft bisweilen, das zu spüren. Der Korb umgibt uns zwar nicht von allen Seiten. Aber er ist wie eine kleine bergende Höhle, die schützt vor Wind, fliegendem Sand, Sonne und den Blicken der Anderen. Ein Schutz- und Erholungsraum mit Ausblick in die Weite; für manche gar ein Arbeitsort mit dem Potenzial für viel Kreativität. Stabil und sicher im Inneren, doch auf offen und beweglich. Er lässt sich drehen – in die Sonne, in den Schatten, weg vom Wind, hin zu den Nachbarn. Ein Raum zum Dösen und Lesen, zum Gucken und Essen, zum Quatschen und Nachdenken. Von fünf Seiten umgeben und behütet.

Vielleicht sind Strandkörbe deshalb so beliebt, weil Mann und Frau und Kind in ihnen sicher und gleichzeitig frei sein kann. Göttlich!

Einen sicheren Sommer mit vielen Freiheiten wünscht

Strandkorb am Meer
Strandkorb am Meer

Ihr Rafael Schindler