Andacht

… und legte ihn in eine Krippe.

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wir finden sie überall: in den Schaufenstern der Geschäfte, in den Wohnzimmern der Häuser, in Kirchen und Kneipen. Es gibt sie in klein und groß, in Holz und Ton, aus Garn und Papier und auf Glas. Obwohl sie so verschieden gefertigt ist, zeigt sie immer – im Großen und Ganzen – das Gleiche: einen Stall, darin in einem Futtertrog das neugeborene Kind, in der Nähe Maria und Josef. Oft stehen noch Ochs und Esel im Stall, Hirten mit ihren Schafen und ein Engel, der den Hirten die Geburt Jesu verkündigt hat. Später kommen noch die Heiligen Drei Könige mit ihren Geschenken Gold, Weihrauch und Myrrhe dazu. In der Weihnachtskrippe wird die ganze Weihnachtsbotschaft gezeigt.

„Ich steh an deiner Krippen hier“ singen wir oder lassen wir singen von berühmten Knabenchören oder aktuellen Größen der Musikszene. Und dabei überhören wir manchmal, dass da einer etwas tut, was wir verlernt haben oder wozu wir – coronabedingt – verpflichtet waren: stehen! Zum Stehenbleiben haben wir eigentlich keine Zeit, meinen wir zumindest. Doch der evangelische Pfarrer Paul Gerhardt sagt: „Ich steh … an der Krippe. Hier findet Ihr mich. Und was ich dort tue, das könnt Ihr Zeile für Zeile, Strophe für Strophe nachlesen. Und wenn Ihr aufmerksam seid, dann merkt Ihr, dass ich Zwiesprache halte, dass ich mit dem Krippenkind rede.“ Ja, das Lied Nr. 37 aus dem Gesangbuch ist ein Gebet!

Solch eine Krippe braucht Zeit: Zeit zum Schauen, Zeit zum Verweilen, Zeit zum Stehenbleiben.

„Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen“, so beschreibt er in der vierten Strophe sein Stehen vor der Krippe. „Und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.“ Paul Gerhardt kann nicht anders, er will nicht anders, als einfach nur stehenbleiben, sich satt sehen – staunend, still, innehaltend, Kräfte sammelnd.

So steht er an der Krippe. Sonst stehen Ochs und Esel dort. Sonst holt sich das Vieh daraus sein Futter. Und genau deshalb bleibt Paul Gerhardt dort stehen, denn aus der Krippe kommt das Leben. Deshalb ist es so wichtig, an ihr stehenzubleiben. Die Tiere wissen das: sie nehmen sich daraus, was sie zum Leben brauchen. Auch die Hirten bleiben stehen und später dann die Könige. Auch wir erhalten aus der Krippe, was wir zum Leben brauchen: den täglichen Segen für unser tägliches Leben!

„Ich steh an deiner Krippen hier“ – vielleicht beginnt so Ihre und meine ganz persönliche Weihnacht. Jedenfalls finden wir sie deshalb überall: nicht nur in Schaufenstern und Wohnzimmern, in Kirchen und Kneipen, in klein und groß, in Holz und Ton und auf Glas. Damit wir eine Raststätte für unsere Seele haben. Denn wer die Weihnachtskrippe anschaut, liest die Weihnachtsbotschaft: Euch ist heute ein Kind geboren.

So kann Stehenbleiben zu einer wertvollen Zeit werden, meint

Ihr Rafael Schindler