Andacht
Jesus nahm das Brot, dankte und brach`s und gab`s seinen Jüngern.
(Matthäus 26.26)
Danke! – das sagen wir oft. Wenn uns jemand die Butter reicht, wenn die Nachbarin uns einen schönen Tag wünscht oder wenn die Kinder im Garten geholfen haben, dann ist ein Danke fällig. Häufig sagen wir dieses Wort, ohne lang und breit darüber nachzudenken. Weil Mann und Frau es eben so sagt: als Floskel. Es wird ja auch nicht verkehrt dadurch. Und doch: wie schnell äußern wir diesen Dank, ohne einen Gedanken daran wirklich zu verwenden? Danke! – auch Jesus sagte es, als er das Brot genommen hatte und es dann teilte und seinen Leuten weiterreichte. Brot auf dem Tisch und Freunde drum herum – selbstverständlich ist das nicht, und trotzdem für die meisten von uns irgendwie normal. Über Menschen, die für die Kirchenvorstandswahl kandidieren und bereit sind, sich in unseren Gemeinden zu engagieren, können wir uns nur freuen. Menschen, die mit ihrer Wahlbeteiligung diese Bereitschaft anerkennen, zeigen, dass ihnen das kirchliche Leben am Herzen liegt. Dies und vieles mehr ist alles nicht selbstverständlich! Um so wichtiger ist es, das nicht stumm und stumpf als die gewöhnlichste Gewohnheit hinzunehmen, weil halt Brot jeden Tag auf den Tisch und alle sechs Jahre eine KV-Wahl in die Kirchgemeinde gehört. Im Danken nehmen wir die Dinge und Menschen wahr! Dankbarkeit verdoppelt die Schönheit des Lebens. Sie öffnet die Augen für die täglichen Wunder und wir können entdecken, dass die Schöpfung und das Leben Gottes Geschenke sind. Wer nicht aufmerksam ist, verlernt auch bald Danke zu sagen. Doch wer das Wort Danke auf der Zunge hat, verliert Gott nicht aus den Augen. Er versteht sich eingebettet in einen größeren Zusammenhang. Natürlich ist das eigene Tun und Machen wichtig. Doch wer Dankbarkeit übt, der kann Martin Luther zustimmen und sagen: Alle Arbeit ist nichts anderes als ein Finden und Aufheben der Güter Gottes. Das Leben kommt aus dem Dank. Wir dürfen vieles vernachlässigen, aber das Danken möglichst niemals. Denn das Danken ist das Atmen der Seele. Und Atmen, das machen wir nicht nur einmal im Jahr. Das machen wir ständig, bewusst oder eben meistens unbewusst. Atmen gehört zum Leben. Atmen ist Leben. Und so ist Danke mehr als ein Wort. Danken ist eine Lebenseinstellung. Wer fähig ist, Danke zu sagen, der fühlt sich nicht als Herr des Lebens. Es ist gut, einen Platz für seinen Dank zu haben, einen Ort, an dem ich meine Zufriedenheit ablegen kann. Deshalb feiern wir in unseren Kirchen ErnteDANKfest. Das können Sie übrigens auch zu Hause tun – nicht nur zu Erntedank, sondern an jedem Tag zu jeder Mahlzeit: dreimal täglich Erntedank! Ein Tischgebet als Dank für das, was vor einem liegt. Das können wunderbare Momente sein: den alltäglichen Schweinsgalopp einstellen und das Tempo der Seele annehmen, den inneren Schweinehund streicheln und Gassi führen und dann Danke sagen, weil der Dank das Lebensgefühl verändert.
Ihr Pfarrer Rafael Schindler

